...oder das Ende der Rechtfertigung

Die Amerikanerin Barbara Sher, die als Coach auch in Europa durch ihre Ausbildungsprogramme bekannt geworden ist, nennt Menschen wie mich "Scanner" und hat mehrere Bücher zu diesem Thema verfasst (offen-sichtlich bin ich nicht die Einzige, die mit dieser "Programmierung" gesegnet ist...). Im Unterschied zu den "Tauchern", d. h. den Menschen, die sich auf eine Sache spezialisieren können und darin völlig aufgehen (z. B. Forscher), müssen Scanner sich mit mehreren Dingen gleichzeitig beschäftigen, da sie sonst verkümmern, unterfordert und unglücklich sind. Scanner sind also multi-talentiert und in vielen Bereichen oft äußerst kompetent und hochbegabt. Scanner neigen allerdings dazu, viele Dinge gleichzeitig zu tun oder immer wieder Neues anzufangen. Das erzeugt häufig in ihnen das Gefühl, nichts "richtig" zu können oder abgeschlossen zu haben. Das macht nicht gerade zufrieden. 

 

Prinzipiell ist es ja eine gute Sache, wenn Menschen vielseitig interessiert sind und ihre Abende nicht ausschließlich vor dem Fernseher verbringen. Ich kenne Menschen mit den skurillsten und vielseitigsten Hobbys und frage mich dann, wann sie das alles machen. Doch wenn es um die berufliche Ausrichtung geht, ändert sich die Perspektive deutlich. Unsere Gesellschaft erwartet, dass wir uns (möglichst frühzeitig) auf einen Beruf festlegen und diesen dann auch bitte bis zur Rente beibehalten. Menschen, die im Winter Skilehrer in den Alpen und im Sommer Surflehrer auf Hawaii sind, sind nicht gerade die Norm und gelten eher als Paradiesvögel. "Jobhopper", die in kürzeren Abständen von einer Arbeitsstelle zur nächsten wechseln, werden in der Gesellschaft nicht gerne gesehen. Sie gelten als konfliktscheu, nicht durchsetzungs- oder anpassungsfähig und haben offensichtlich kein Durchhaltevermögen. Klingt nicht gerade nach dem kompetenten, belast- baren Arbeitnehmer, den man gerne einstellt. In Wahrheit handelt es sich vielleicht um einen Scanner, der sich einem Bereich widmet und nach kurzer Zeit spürt, dass seine anderen Bereiche völlig verkümmern. Und schon macht er sich auf die Suche nach Neuem...

 

Auch als Selbstständige hatte ich lange mit dieser Situation zu kämpfen. Es ist kein Geheimnis, dass ich mich seit mehr als einem Jahrzehnt intensiv mit Feng Shui und Space Clearing beschäftige. Und ich wollte das nie nur für mich lernen, sondern mein Wissen auch Kunden zur Verfügung stellen. Daneben habe ich aber auch eine fundierte Coaching-Ausbildung (mehrere sogar...), bin zertifizierte Hypnotherapeutin, Fachfrau für Ernährung IHK und habe das Teaching Diploma der IHK London mit Auszeichnung bestanden. Vorträge machen mir ebenso viel Spaß wie Seminare und das Schreiben sowieso.

 

Irgendwann habe ich den Begriff "Bildungs-Junkie" für mich geprägt, weil ich vom Besuch von Fortbildungen und dem Weitergeben meines Wissens bis heute nicht genug bekommen kann. Doch Vielseitigkeit kann Fluch und Segen gleichermaßen sein. Während ich mich persönlich mit meiner Multitalent-Persönlichkeit immer wohl gefühlt habe, hat mein Umfeld oft überfordert reagiert und mich gefragt, was ich denn da jetzt schon wieder machen würde. Für mich hat immer alles Sinn gemacht, doch für die einen war ich plötzlich "zu esoterisch", für die anderen "nicht medial/spirituell genug", für die einen war ich "zu klassich", für die anderen "zu innovativ". Die einen wollten das Gütesiegel "X", die anderen lieber "Y", was mich irgendwann doch sehr nachdenklich und sogar unsicher gemacht hat. Welchen Weg sollte ich denn nun gehen? Wie schon in meinem Artikel "Generalistin oder Spezialistin"  angesprochen, hatte ich mich selbst schon tausendmal gefragt, was ich denn nun beruflich wirklich machen wollte. Und während ein Stimmchen mich immer wieder dazu drängte, doch bitte nur EINE Sache zu wählen, sagten hundert andere Stimmen in mir, dass das unmöglich sei. Diese Stimmen hatten Recht.

 

Ja, ich bin auch ein Scanner. Das weiß ich seit Barbara Sher. Glück-licherweise ein moderater, denn die Anzahl meiner Projekte  und beruflichen Standbeine ist - verglichen mit anderen im Buch beschriebenen Fällen - tatsächlich noch überschaubar. Ich habe auch alles -  sozusagen mit Brief und Siegel - fundiert gelernt und auf ein brauchbares (und ausbaufähiges) Niveau gebracht, wofür ich einmal ernsthaft entbrannt war. Nichts-destotrotz erschrecken sich manche Menschen immer noch, wenn sie hören, was ich so alles mache (habe ich Ihnen schon von meiner Band erzählt?)...

 

So habe ich irgendwann den roten Faden gesucht, der alles miteinander verbindet, was mir am Herzen liegt und was ich zu bieten habe. Dieser rote Faden heißt "Life Quality Coaching" und beschreibt zu 100 Prozent, worum es mir geht. Lebensqualität beschreibt alles, was uns Menschen wichtig ist: Sicherheit, gute Beziehungen, Gesundheit, finanzielle Freiheit, Bildung und Kompetenz, Ziele verwirklichen, ein sauberes, ansprechendes Zuhause, eine Arbeit, die erfüllt, mit sich selbst im Reinen sein, Lebenskraft, die Ver- gangenheit annehmen, Trauer- und Liebeskummer bewältigen können und vieles mehr. Haben Menschen eine Lebensqualität, die unter dem liegt, was sie gerne hätten, um sich "zufrieden" nennen zu können, kann ich sie als Coach bei der Entwicklung von mehr Lebensqualität mit meinen Methoden unterstützen.

 

Und auf einmal ist es egal, welche Methoden ich dafür anwende oder aus welchem Bereich diese stammen. Wichtig ist nur, dass sie seriös sind und funktionieren (und ich wende nur Methoden an, deren Wirkung und Erfolg ich persönlich getestet habe). Endlich sind die Grenzen verschwunden zwischen einzelnen "Bereichen", "Richtungen" oder "Schulen". Grenzen, die mir die Gesellschaft oder ich mir selbst jahrelang auferlegt hatte. Ein unglaublich befreiendes Gefühl. Endlich kann ich alles, was ich beruflich tue, als das sehen, was es in Wirklichkeit ist: ein Baustein zu mehr Lebens- qualität der Menschen, die zu mir kommen. Ein Regenbogen wird erst zum Regenbogen, wenn alle Farben sichtbar sind. Echte Lebensqualität entsteht erst, wenn alle Lebensbereiche, die dem Menschen wichtig erscheinen, ein annehmbares Niveau erreicht haben. Und dazu möchte ich gerne beitragen. Das WIE ist dabei völlig egal, auf das Ergebnis kommt es an.

 

Von einem Klempner, der bei mir eine Reparatur durchführt, erwarte ich auch, dass er den Schraubenschlüssel ebenso professionell handhabt wie die Rohrzange. Dennoch bleibt er ein Spezialist, auch wenn er mehrere Werkzeuge gleichzeitig in Gebrauch hat. So bin auch ich nun - trotz Scanner-Mentalität - in der Welt der Spezialisten angekommen, mit einem nach wie vor sorgsam zusammengestellten Werkzeugkasten, den ich gerne vertiefe, wann immer ein Bereich mal wieder "dran" ist, auf den neuesten Stand gebracht zu werden. Das ist dann meine Lebensqualität, die ich mir endlich reuelos gönne...

 

 

Buchtipp für alle, die sich fragen, ob sie ein Scanner sind:

 

Barbara Sher

Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast 

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